Mopeds in der Zeit des Wirtschaftswunders


Die Sonderausstellung Mopeds in der Zeit des Wirtschaftswunders spannte den Bogen von den Fahrrädern mit Hilfsmotor aus der Gründungszeit der beiden deutschen Staaten nach dem zweiten Weltkrieg bis zu den motorradschnellen Kleinkrafträdern in der Mitte der 1960er Jahre. Gezeigt wurden nicht nur Mopeds, sondern auch kleinere Maschinen der Adenauer-Zeit.

Fünf ausgewählte Zweiräder vertraten die große Bandbreite an Fahrzeugen dieser Wirtschaftswunderzeit. Sie vermittelten Besuchern der Bremen Classic Motorshow (31. Januar bis 2. Februar 2014) ein Bild von der Vielfältigkeit der zweirädrigen Mobilität dieser Ära.

Lutz-Motor im Fahrrad von Meister – Fahrrad mit Hilfsmotor - 1949

In der entbehrungsreichen Nachkriegszeit waren neue Ideen und Konzepte gefragt, um die Deutschen wieder mobil zu machen. Den Vorgaben der Besatzungsmächte folgend, die deutschen Zweirädern einen maximalen Hubraum von 60 cm³ zubilligten, entwarf Otto Lutz 1947 einen 58 cm³-Zweitaktmotor. Dieser leistete zwar nur ein PS, war aber so durchzugsstark, dass er ohne Getriebe auskam.

Gebaut wurde der Lutz-Motor bis 1954.

Heidemann Werk Einbeck
Moped - 1955

1953 entstand als Ergebnis eines Preisausschreibens der Name Moped aus MOtor und PEDale. Industrie und Gesetzgeber legten die technischen Rahmenbedingungen für Mopeds fest und bald stiegen die Verkaufszahlen für diese neue Zweiradgattung. Die meisten Kunden waren Radfahrer, die durch die Mopeds von der Mühsal des Tretens erlöst werden wollten. Sachs und ILO lieferten passsende Moped-Motoren. So konnten auch Fahrradproduzenten schnell Mopeds liefern. Entsprechend baute auch das angesehene Fahrradwerk Heidemann in Einbeck ab 1955 Mopeds.

Gritzner Monza Supersport
Sportmoped - 1958

Nachdem 1956 die Gewichtsbeschränkung von 33 kg für Mopeds aufgehoben wurde, konnten Mopeds stabiler und technisch sowie optisch ansprechender gebaut werden. Es entstanden Mopeds wie die Monza Supersport mit drei Gängen und zwei Sitzplätzen. Mit Sportmopeds im Stil italienischer Sportmotorräder konnten betuchte junge Moped-Freunde vor den Milchbars Eindruck schinden.

Der Trendsetter war die Mars Monza Super Sport, deren Produktion 1958 von der Traditionsmarke Gritzner übernommen wurde. Die Monza war zwar mit 40 km/h nicht  schneller als andere Mopeds, erfüllte aber im Fahrverhalten und im Design die Träume junger Männer besser als alle anderen Mopeds, die damals angeboten wurden.

DKW Hummel Super
Luxus - Mokick - 1961

Mit wachsendem Wohlstand kauften immer mehr Bürger Automobile statt Mopeds oder Motorräder. Zweirad-Hersteller hofften (vergeblich), ihre Kunden mit zweirädrigen „Straßenkreuzern“ zu behalten. So entstanden bei der Zweirad Union, unter deren Dach seit 1958 DKW, Express und Victoria (ab 1960) firmierten, 40 km/h schnelle Mokicks und Kleinkrafträder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h.

Mit reichlich Blech, viel Chrom und schnittigen Kanten versuchte die Zweirad-Industrie, die Formensprache damals aktueller Autos zu kopieren. Dieser Aufwand erhöhte die Preise und die gekaufte Prächtigkeit konnten die stolzen Besitzer im Alltag nur mit viel Pflege erhalten. Die elegante Hummel Super belegt diesen Trend und auch sein Scheitern – nur wenige Exemplare wurden damals verkauft. So ist dieses luxuriöse Modell heute eine Sammlerrarität.

Das gleiche Fahrzeug gab es nicht nur in zwei Leistungsklassen, es wurde auch weitgehend identisch unter den jeweiligen Labels der drei Marken der Zweirad Union gebaut.

Victoria TS 159
Kleinkraftrad - 1965

Ab Ende der 1950er Jahre entschieden sich fast nur noch ganz junge Fahrer für neue Motorräder. So waren damals die ungedrosselten 50 cm³ Motorräder – Amtsdeutsch: Kleinkrafträder  – der Rettungsanker für die Industrie. Bei der Zweirad Union in Nürnberg entwickelte der ehemalige DKW-Entwickler Franz Ischinger mit der Victoria TS 159 für viele Kenner eines der formschönsten Kleinkrafträder.

Mit fünf Gängen und Doppelschleifenrahmen fuhr die über 80 km/h schnelle TS 159 der Konkurrenz davon. Mit einem Einschlüssel-System, dem großem Tank und einem Kettenkasten bot sie auch Komfort. Doch das Rennen bei den Kunden machten Hercules, Kreidler und Zündapp.


Weitere Informationen

Die Bremen Classic Motorshow fand 2014 vom Freitag, 31. Januar bis Sonntag, 2. Februar in allen Hallen der Messe Bremen statt . Mehr Infos finden Sie unter http://www.classicmotorshow.de