Awtowelo Typ 650
Nach Jahrzehnten ihrer bewegten Geschichte schickten wir eine verloren geglaubte Rarität wieder auf die Rennstrecke und stellen sie in Einbeck aus.


Die Jagd nach dem Phantom

Wir sind besonders stolz darauf, Ihnen den „Awtowelo“ in unserer Sonderausstellung präsentieren zu können. Ein Rennwagen, der nie ein echtes Rennen fuhr. Blicken Sie mit uns gemeinsam in seine bewegte Geschichte:

„Ohne Kampf kein Sieg“ lautet der Titel einer mehrteiligen DEFA-Serie aus dem Jahr 1966 über das Leben des bekannten Rennfahrers Manfred von Brauchitsch. Unter all den Auto-Requisiten gibt es einen Rennwagen, der einem Auto-Union Typ C verdächtig ähnelt. Ist es vielleicht der sagenumwobene Prototyp, den die Auto-Union während des Krieges entwickelt haben soll?

Bis Ende 1940 entwirft die Auto Union einen neuen Rennwagen. Mit Kriegsbeginn wird jedoch nur noch Militärgerät hergestellt und die Entwicklung des Prototyps eingestellt. Versuchsberichte, Zeichnungen, Teile und Baugruppen werden eingelagert, einige wenige Dokumente verbleiben im Besitz des Chefkonstrukteurs Robert Eberan von Eberhorst. Im Januar 1944 geht das Depot in Flammen auf. Der 1,5-Liter-Rennwagen der Auto Union existiert ab da nur noch in den Köpfen der beteiligten Techniker.


Der "Falke" geht auf Weltreise

1946 gründet das sowjetische Ministerium für Automobil- und Traktorenbau die Sowjetische Aktiengesellschaft „Awtowelo“ mit Sitz in Eisenach, die verschiedene ehemalige Zulieferer und Fahrzeughersteller vereint. In Chemnitz, wo sich einst der Firmensitz der Auto Union befand, wird ein „Automobiltechnisches Büro“ eröffnet. Dieses erhält 1949 den Befehl zur Konstruktion eines Rennwagens vom General der sowjetischen Luftwaffe, Wassilij Stalin, dem Sohn des Diktators Josef Stalin. Ihm schwebt eine Teilnahme russischer Rennwagen an internationalen Rennen der 1947 ins Leben gerufenen Formel 2 vor. Die Zeit für das Projekt ist knapp bemessen, so dass die Ingenieure auf die Konzepte der Auto-Union-Vergangenheit zurückgreifen.

Restauriert und fahrtauglich: Der Awtowelo Typ 650 ziert unsere Rennsportausstellung.

1952 werden die zwei gebauten und von den Sowjets „Sokol“ (dt. Falke) genannten Rennwagen nach Moskau abtransportiert. Sie sollen dort am Stadtparkrennen teilnehmen, doch sie gehen nie an den Start. Möglicherweise wird die falsche Benzinmischung verwendet. Darüber hinaus waren keine Fachleute vor Ort, um die Vergaser einzustellen und abzustimmen. Die Sowjets müssen die Autos nach Deutschland zurückzubringen und verlieren das Interesse an den Rennwagen. Zukünftig werden die beiden „Awtowelo“ nur noch als Filmrequisite gebraucht. Danach trennen sich die Wege der beiden Rennwagen.

Einer wurde zerlegt und erst kürzlich wieder in einen präsentablen Zustand gebracht. Er befindet sich im Industriemuseum Chemnitz. Umwege führten den zweiten Wagen über verschiedene Sammler bis nach England. Er wurde in der bekannten „Grand Prix Exhibition“ in Donington ausgestellt – und dort irrtümlich für einen Rennwagen der Auto Union gehalten. 2012 kam der Awtowelo zurück nach Deutschland und wurde von Karl-Heinz Rehkopf, dem Stifter des PS.SPEICHER, für die Sonderausstellung erworben.